Management-Sprech, Bürokraten-Deutsch und nun auch Polit-Sprache – warum Parteiprogramme den Wähler nicht erreichen.

Kaum jemand liest freiwillig ein Parteiprogramm und wird sich nun bestätigt wissen: Parteizentralen texten unverständlich. Dies ist das unmissverständliche Resultat einer gemeinsamen Untersuchung von Kommunikationsagenturen, der Universität Hohenheim und dem Institut für Verständlichkeit in Ulm.

Die anstehende Wahl in Schleswig-Holstein bewog die Sprachexperten dazu, Parteiprogramme auf ihre Lesbarkeit hin zu überprüfen. Dabei fielen über alle Parteigrenzen hinweg Wortkreationen wie „Bundesergänzungszuweisungen“ oder „Generationsbilanzierung“ negativ auf, weil sie kaum mit entsprechenden Erklärungen versehen sind. Insgesamt sind die Texte wenig verständlich und vielmehr von einer Polit-Sprache geprägt, die dem Normalbürger nicht zugängig ist.

Mitarbeiter der Uni Hohenheim haben 80 Kriterien entwickelt, die in ihrer Auswertung den sogenannten Verständlichkeits-Index für die einzelnen Wahlprogramme bilden. Die Skala reicht von Null (unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). Wie die Kieler Nachrichten vom 18.04.12 berichten, schneiden die Linken mit einem Wert von 6,34 am besten ab. Schlusslicht ist die FDP, die nur 3,09 Punkte aufweisen kann. Auch die Bild-Zeitung wurde analysiert und erreicht stattliche 16,8 Punkte. Ob man sich unbedingt an deren Sprachstil orientieren muss, bleibt dahingestellt. Fakt ist: Die Essentials der Wahlprogramme sollten besser erfassbar sein als bisher, damit der Klick auf den wahl-o-mat.de nicht zur Überraschung wird.
Die ausführlichen Ergebnisse stehen bis zur Landtagswahl am 6. Mai unter textmonitor.de zur Verfügung. Lesenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Studien des Instituts für Verständlichkeit unter comlab-ulm.de.

Die richtigen Worte wählen: Textprofis nehmen Wahlprogramme unter die Lupe